Annenlochstiege zerstört - eine polemische Betrachtung

Vorsicht, Achtung, Aufgepasst: es folgt Polemik und zynische Satire, die Ihren gutbürgerlichen Anstand verletzen könnte. Lesen Sie nur weiter, wenn Sie sicher sind, keinen zu haben.

Heinrich der Säger, die üblichen Verdächtigen von der Nationalparkverwaltung oder der große Unbekannte? Keine Ahnung, aber irgendwer hat hier einen wirklich üblen Frevel am Erbe unserer Altvorderen begangen.

Schön der Reihe nach: die Annenlochstiege führte einst, über Holzstufen und 17 senkrecht hochgehende Eisenklammern, aus dem Polenztal hinauf zur Ziegenrückenstraße. Die Stiege war kaum bekannt, wenn pro Jahr hier zwei Dutzend Leute hochgekrabbelt sind, dann ist das sicherlich schon großzügig geschätzt. Obendrein war sie einer jener Wege in der Kernzone des Nationalparks, die eigentlich nicht mehr benutzt werden sollen. Also wirklich ein sehr selten begangener Steig für Insider. Ich schreibe in der Vergangenheit, weil die Annenlochstiege nicht mehr existiert. Irgendwer hat still und heimlich bis auf zwei  traurig verbliebene Reste alle Stahlbügel abgesägt. Aus, vorbei, hier kommen nur noch Kletterer hoch.

annenlochstiege-april-2010.jpg   Die traurigen Reste der Annenlochstiege.

Zunächst: eine allgemeine Bemerkung. Wer auch immer das getan hat, er zeigt eine schon ans Unverschämte gereichende Arroganz gegenüber den Leistungen vergangener Generationen. Immerhin dürfte es nicht wenig Schweiß gekostet haben, diesen Weg anzulegen. Er gehörte zu unserem Erbe. Ein hoffnungslos überspitzter Vergleich: die originalen Höhlen von Lascaux mit ihren weltberühmten Felszeichnungen dürfen schon seit Jahrzehnten nicht mehr betreten werden. Kein Mensch käme aber auf die Idee, sie deshalb zuzuschütten. Ja klar, der Vergleich war tatsächlich völlig überzogen, aber ich wollte mal eine Richtung vorgeben.

Sodann: die Suche nach dem Täter. Als erstes kam mir natürlich die Nationalparkverwaltung in den Sinn. Aber die scheint hier einmal nicht den schwarzen Peter zu spielen. Vor einem guten halben Jahr sind nämlich schon einmal drei Bügel aus der Stiege gesägt worden. Ich hatte damals Hanspeter Mayr, den Sprecher der Nationalparkverwaltung, direkt auf dieses Thema angesprochen. Und nun liege ich inhaltlich mit Herrn Mayr zwar ziemlich oft über Kreuz, schätze ihn aber als aufrichtigen und ehrlichen Gesprächspartner, der sich auch vor kritischen und heiklen Themen nicht drückt. Und wenn er mir also damals versichert hat, die Nationalparkverwaltung hätte nichts mit der Sägerei zu tun, so glaube ich ihm das bis heute.

Ein anderer gern verdächtiger Typ ist der gemeine Anwohner. Irgendwo gibt es immer einen, der sich durch (lautstark grölende, tonnenweise Müll hinterlassende oder gar aus dem Ausland stammende) Wanderer in seiner sonntäglichen Ruhe gestört fühlt. Nur: hier ist rundherum nur Landschaft. Im Tal ist das nächstgelegene Gehöft der Gasthof „Zum Polenztal“, oben auf der Höhe erinnert nur ein kleiner Parkplatz an die Zivilisation. Dazwischen nur Flora, Fauna und Sandstein. Also wieder nichts.

Bleibt ein Verdacht: durchgeschwitzte Umweltaktivisten. Sie wissen schon: jene Typen, die ihre eigene Spezies so hassen, dass sie dieselbe am liebsten vom Antlitz der Natur radieren würden. Die irgendwelches Getier aus Farmen befreien, worauf dieses dann in freier Wildbahn kläglich verreckt. Die wegen einer Sumpfschnerpelschnepfe den Bau einer Umgehungsstraße jahrzehntelang verhindern, während in der staugeplagten Ortschaft die Anwohner vom Mief Bronchitis kriegen. Damit eines klar ist: als ziemlich aktivem Wanderer liegt mir Umweltschutz sehr am Herzen. (Kleiner Einwurf: Und es ist verdammt gut, dass wir hier einen Nationalpark haben. Anderenfalls stünden nämlich längst Hotelklötze und Golfplätze mitten im schönen Sandstein.) Aber was zu weit geht, geht zu weit. Falls mein Verdacht also zutrifft, heißt es ab jetzt: Augen sehr weit offen halten. Denn die Sägerei an einer weit abgelegenen und kaum bekannten Stiege könnte ja nur ein Testlauf für weit Größeres gewesen sein. Es gibt schließlich noch andere Stiegen, die offiziell zwar nicht mehr unterhalten, aber still geduldet werden. Ich denke da an die Starke Stiege oder an die Rübezahlstiege.

Deshalb jetzt: Zeugensuche. Wenn man 12 massive Stahlbügel mit der Handsäge kappt, dann dauert das.Und wenn man eine mobile Flex benutzt, dann macht das richtig Lärm. Irgendwer muss doch was gehört, gesehen oder zumindest vermutet haben? Über Tipps freue ich mich zumindest.

Zu guter Letzt: ein paar üble Beschimpfungen. Wer auch immer es war: ihr Vollidioten habt sie doch nicht mehr alle! Ruiniert das Erbe unserer Urgroßväter, um zwei Handvoll Wanderer pro Jahr von diesem Weg fern zu halten! Putzt ihr euch eigentlich mit dem Foto eures Großvaters den Arsch ab, nur weil der in seiner Jugend bei den Pimpfen war? Sprengt ihr die Dresdner Augustusbrücke, weil darauf mal verbotenerweise demonstriert worden ist? (Danke Karsten für diesen blumigen Vergleich.)

Fazit: Kotzeimer her, kurze Erleichterung verschafft, und in Zukunft sehr genau beobachten, was da noch so an einigen Stiegen passiert.

8 Antworten auf “Annenlochstiege zerstört - eine polemische Betrachtung”

  1. Knut sagt:

    Du sprichst(oder besser schreibst) mir hier aus der Seele, wer auch immer dieses Meisterstück vollbracht hat scheint den geistigen Horizont einer knieenden Mücke zu haben. Und zuzutrauen währe es der letztgenannten Personengruppe durchaus, zeichnen sie sich ja nicht immer so !00% durch ihre Toleranz anderen gegenüber aus.
    Werd das ganze mal weiterverfolgen, ich denk mal du hälst die geneigte Leserschaft auf dem laufenden.
    Knut

  2. Bilch sagt:

    Ehrlich gesagt, wer solls gewesen sein, wenn nicht der Nationalpark? Nach allem, was die bisher schon gemacht haben, Stichwort Boofen (und hinterher Krokodilstränen vergossen… so wirds auch hier wieder werden…). Irgendwelche Umweltheinis kennen die Stiege doch gar nicht, außerdem hätten die die Sprossen nur angesägt, bevorzugt die obersten. Und Anwohner gibt es keine, wie schon richtig bemerkt wurde.

    Kann man den Nationalpark eigentlich auch irgendwie wieder loswerden? Kostet eh nur unsere Steuergelder! Sollte man lieber die eine oder andere Straße mit ner neuen Schwarzdecke versehen.

  3. Jan Schneider sagt:

    Wer ist hier für die Inhalte verantwortlich? Findest Du das gut so anonym hier rumzuschreiben? In vielen Punkten hast Du recht aber was soll das?

  4. admin sagt:

    @Jan Schneider: klick mal Links auf “Hauptseite zum Wanderbuch”, dort steht auch ein Impressum. Falls du es ganz schnell wissen willst: ich heiße Arndt Noack.

  5. Doc Stone sagt:

    Boofen - verboten
    Pilze+Beeren sammeln - verboten
    Kleines Feuerchen - verboten
    Schmale Wege langwandern - verboten
    Kostenlos parken - unmöglich
    Parken bis nach 22:00 Uhr - verboten

    Aussperrungen aus ganzen Gebieten - ja
    Boofen schleifen - ja
    Uralte Buchen umsägen - ja
    Mit dem Jeep durch den Wald heizen - ja
    Wildwuchs statt Naturpflege - ja
    Historische + kleine Wege sperren und stattdessen hässliche Magistralen bauen - ja
    Willkürliche Sperrungen - ja
    Kleine Verlage bedrohen - ja
    Stiegen schleifen - ja?

  6. Dietmar Schubert sagt:

    Die verborgenen Stiegen werden weniger - wer immer sie auch auf dem Gewissen hat. Rübezahlstiege - fehlen ein paar Eisen schon lange: Starke Stiege - Halteseil entfernt; Stiege am Dom - Geländer sind weg und eine Felsplatte im Wegeverlauf ist kaum überwindbar, Großer Zschand - alles, was nicht in der Hickel- oder Richterschlucht zu Hause ist und nach Stiege aussieht ist abgerissen. Dass der Stiegenstein an der Webergrotte noch steht, ist sehr wahrscheinlich seinem Gewicht zu verdanken.
    Bleibt zu hoffen, dass die noch vorhandenen Stiegen auf den schmalen Pfaden ein noch möglichst langes Leben haben werden - vielleicht hilft, wie Axel Mothes vorgeschlagen hat, der Denkmalschutz.

    Viele Grüße
    Dietmar

  7. Andreas Flock sagt:

    In Vorbereitung des Stiegentreffens am 29.5. schaut man nach Neuigkeiten und wird gleich mehrmals vom Schlag getroffen. Während die Nationalparkverwaltung neben ihren unbestrittenen Verdiensten offenbar den Nationalpark für eine Bewirtschaftung optimiert (Konzentration auf Hauptwege, Unwegbarmachung und Teilzerstörung von abgelegenen Wegen, Besucherzählungen, Umfragen unter Anderem zur Akzeptanz von Eintrittsgebühren), muss offenbar parallel mit blanker Sachbeschädigung gerechnet werden - von wem auch immer. Meiner Auffassung nach hört hier der Spaß - welcher Spaß? - auf. Das ist ein Fall für das Gericht, denn hier ist nicht nur Sachbeschädigung zu beobachten, sondern können auch - im nächsten Schritt bei angesägten und nicht abgesägten Eisen, für den besonderen Schreck ! - Personenschäden nicht ausgeschlossen werden .

    M. E. nach muss die Idee des Denkmalschutzes forciert werden! Aber es kann auch nicht sein, dass alles auf den Schultern weniger ruht. So möchte ich zum Stiegentreffen die Idee der “Wegepaten” vorstellen, bei der Wege dokumentiert, beobachtet, gepflegt und geschützt werden und Menschen wie Axel Mothes gezielt bei Aktionen wie der Beantragung von Denkmalschutz unterstützt werden.

    Bei aller Diplomatie und Gesprächsbereitschaft: Die Zerstörung der Annenlochstiege ist eine Sauerei, gehört angezeigt und ist das Gegenteil von Heimatschutz! Aber wer sagt denn, dass man sie nicht reparieren kann…

  8. Axel Mildner-Spindler sagt:

    Hallo,
    andersrum betrachtet, warum sind denn die ganzen vergessenen Stiegen in Gefahr? Wenn es nur die wie oben geschrieben 2 Dutzend Personen wären die die Stiegen begehen.
    Aber wenn ich jetzt zusehe, wer auf Grund der Stiegenbücher alles im Gebirge rumstürzt!
    Touristen mit fragwürdigen Kenntnissen und ungenügender Ausrüsung in der Rübezahlstiege, letztes Wochenende wurden wir ernsthaft am Ortsausgang Schmilka gefragt wie man mit dem Auto zum Winterberg kommt, man möchte eine Stiegentour machen …..
    Das ist nun mal die Kehrseite solch eine Publikation, dann mal bitte darüber nachdenken und vielleicht uns Bergsteigern und echten Wanderern die kleinen Geheimnisse lassen damit wir sie auch noch weitergeben können an unsere Nachfahren.
    Berg Heil

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