Quo Vadis, Zittauer Gebirge?

OK, ich war also für eine Woche im Zittauer Gebirge wandern. Und es war mein zweiter Anlauf, diese Region zu erkunden. Der erste endete in einem phänomenalen Debakel. Dieweil Anfang Oktober des vergangenen Jahres urplötzlich der Winter über die Republik hereinbrach. Da kam ich mit meinen Sommerreifen noch nicht mal mehr vom Parkplatz runter, geschweige denn irgendwie zum Wandern in den Wald. All dies blieb mir jetzt erspart, es war herrliches Wetter und wir haben einen ganzen Schwung richtig gute Touren gemacht. Dennoch habe ich ein paar Bemerkungen, die ich nicht für mich behalten will.

Teil eins: wohin gehst du, Zittauer Gebirge? Blöde Frage, mag man denken. Aber ich habe da so meine Sorgen. Wohlgemerkt: wir waren mitten in der Hochsaison hier, es sind Schulferien, und der Sommer lacht nur so. Dennoch blieben die Biergärten meist zur Hälfte leer, am Abend war nicht viel los (hat sich was mit Public-Viewing, zumindest in Jonsdorf, wo wir Quartier aufgeschlagen hatten, gab es das nicht). Also wirklich, da musste ich doch das Spiel, in dem die Unsrigen gegen Spanien verloren hatten, auf einem briefmarkengroßen Fernseher in der Jugendherberge ansehen. Peinlich.

Was mich aber am meisten verblüfft hat: im Wald waren wir allein. Da es unser erster vernünftiger Kontakt zu der Region war, sind wir natürlich zunächst die Standards abgewandert. Und da sollte man doch denken, dass der eine oder andere Mitwanderer unterwegs wäre. Pustekuchen, der Wald war leer. Das ist vergleichbar, als wenn man auf dem Schrammsteingratweg an einem sonnigen Ferienwochenende allein wäre. Undenkbar, da herrscht nämlich immer schweres Begängnis. Anders in der Felsengasse bei Oybin, auf dem Hochwald, auf der Lausche, auf dem Nonnenfelsen oder auf dem Töpfer: außer ein paar wenigen Touristen, die per Bus hierhergekommen waren, war kein Wandersmann in Sicht. Sollte mir recht sein, aber man macht sich ja seine Gedanken.

Selbige wurden noch verstärkt, wenn man sich die wenigen Besucher ansah die dann auf den wichtigen Gipfeln noch gesichtet wurden: Rentner, die per Gebirgsexpress den Berg erklommen hatten. Hmm, was soll ich sagen? Die Tatsache, dass mir in Jonsdorf mitten in der dicksten Saison an jeder Ecke Schilder “Ferienzimmer - Ferienwohnung frei” entgegen schauten, lässt  zumindest keine guten Gedanken reifen. Entwickelt sich die Region zum Tagesausflugsangebot für Rentner? Davon kann zumindest keine touristische Infrastruktur auf die Dauer leben.

Ich habe keine Ahnung, was schief gelaufen ist. Aber die schnöden Fakten: leere Biergärten, viele freie Ferienzimmer, kaum ein Wanderer im Wald, lassen nichts Gutes ahnen. Da ist wohl bei der Vermarktung einiges schief gelaufen. Nicht desto Trotz: wir haben die Woche genossen, dieweil die Natur hier einfach Klasse ist. Und deshalb folgen in den nächsten Tagen noch weitere Blogeinträge: das gastronomische Highlight und der gastronomische Flop, die Güte der Unterhaltung für die Kinder, und natürlich noch ein kleiner Tourentipp. Bis denne!

3 Antworten auf “Quo Vadis, Zittauer Gebirge?”

  1. Stiegenbuchverlag sagt:

    Hallo Miteinander

    Irgendwie hatte ich eine solche Reaktion von Arndt schon vermutet, als es ins Zittauer Gebirge gehen sollte. Aber gerade der fehlende Massentourismus und das freie Wandern zieht mich immer wieder ins “verträumte” Zittauer Gebirge. Es ist wie mit der Sächsisch- Böhmischen Schweiz. Man glaubt “fast” alles zu kennen, denkste! Im neuen Bergpfadenbuch gibt es z.B. eine allererste Beschreibung der Ameisenstiege. Oder, wer kennt schon noch die Stiege zur Aussicht am Albertfelsen. Ich will damit nur verdeutlichen, das Zittauer Gebirge steckt voller Geheimnisse. Es braucht aber mehr als eine Wanderwoche um alle Kleinode zu erkunden. Also Arndt und alle anderen Wanderfreunde fahrt wieder hin und genieße die Felsenwelt.
    Axel

  2. Konrad Bauckmeier sagt:

    Irgenwie vermisse ich den Tourentipp!

  3. Arndt Noack sagt:

    Keine Bange, kommt noch. Hab im Moment nicht so viel Zeit, ich denke aber, am kommenden Wochenende schaffe ich das.

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