NPV zu Waldarbeiten und Harvestern

Für den Landkreisboten Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, dem offiziellen Mitteilungsblatt des Landratsamtes, hat die NPV einen Artikel rund um die umstrittenen und vieldiskutierten Harvester-Einsätze im Nationalpark verfasst. Er erscheint am 18. Januar, ich darf ihn hier schon einen Tag früher veröffentlichen. Was ich gern mache, dazu kommen noch einige ergänzende Bemerkungen von NPV-Sprecher Hanspeter Mayr und auch von mir. Eine ganze Menge Lesestoff, der sich aber lohnt.

P1000064 Schäden durch den Einsatz von Harvestern. (Quelle: NPV)

Hier also zunächst der Text des Artikels:

Dr. Dietrich Butter

Milder Winter erschwert Waldpflege im Nationalpark

Tiefe Spuren auf Wegen und Arbeitsgassen hinterlässt mancherorts derzeit die Waldpflege der Nationalparkverwaltung, wie aufmerksame Besucher bei Wanderungen durch den Nationalpark wiederholt festgestellt haben. Tatsächlich erschwert die derzeitige Witterung die schonende Durchführung notwendiger und unaufschiebbarer Waldpflegearbeiten erheblich: statt Frost und Schnee kämpfen Mensch, Tier und Maschine sich bei frühlingshaften Temperaturen durch aufgeweichte Böden und Wege. Wäre ein Teil der Schäden dennoch vermeidbar?

Nach dem Motto „Natur Natur sein lassen“ werden seit 2008 auf 57 % der Waldfläche des Nationalparkes überhaupt keine forstlichen Maßnahmen mehr durchgeführt. Die internationale Anforderung an Nationalparke, auf mindestens 75 % der Fläche keine Maßnahmen mehr durchzuführen, kann auf der Grundlage des Nationalparkprogramms voraussichtlich in rund zwei Jahrzehnten erreicht werden.

Neben der Pflanzung von gebietsheimischen Weißtannen versteht man unter Pflegemaßnahmen hauptsächlich Durchforstungen. Dabei handelt es sich nicht um wirtschaftsbedingte Holznutzungen, denn die sind im Nationalpark verboten. Durchforstungen im Nationalpark haben eine naturschutzfachliche Zielstellung: Naturferne Wälder sollen überwiegend eine Zeit lang so gepflegt werden, dass ihre Baumartenzusammensetzung und ihre Struktur naturnäher werden, um sie dann sich selbst zu überlassen. So werden beispielsweise Fichtenforste aufgelockert, damit sich Baumarten der natürlichen Waldgesellschaften wie Birke, Kiefer, Eiche und Buche entwickeln können. Um dieses naturschutzfachliche Ziel zu erreichen, müssen Durchforstungseingriffe zum Teil stärker sein als im normalen Wirtschaftswald. Roteichen, Lärchen und Weymouthskiefern werden als naturfremde Baumarten schrittweise entfernt. Das dabei anfallende Holz wird in der Regel verwertet.

Jährlich werden rund 4 % der Nationalparkfläche (cirka 350 ha) in dieser Weise bearbeitet.

In der Kernzone, in der Besucher aus Naturschutzgründen nur markierte Wanderwege betreten dürfen, werden keine forstlichen Maßnahmen durchgeführt.

Pflegemaßnahmen beschränken sich auf die Naturzone B mit dem Ziel, den größeren Anteil der gepflegten Wälder in absehbarer Zeit sich selbst zu überlassen und auf dauerhaft notwendige Aktivitäten in der Pflegezone beispielsweise in der Nähe von Ortschaften.

Bei den durchzuführenden Durchforstungen achtet die Nationalparkverwaltung in besonderer Weise darauf, so schonend wie irgend möglich zu arbeiten. Im Nationalpark wird Holz nur im Winter eingeschlagen, im Unterschied z. B. zum Forstbezirk Neustadt, der die Staatswälder in der Sächsischen Schweiz auf der linken Elbseite bewirtschaftet.

Obwohl es sich um eine körperlich schwere und gefährliche Tätigkeit handelt, wird im Nationalpark noch rund 50 % des Holzes in Handarbeit durch Waldarbeiter mit der Motorsäge gefällt und in verkaufsfähige Holzsortimente zerschnitten. Solche Arbeiten finden im Januar und Februar an der alten Zeughausstrasse am Hinteren Raubschloss, am nördlichen Rand des Liliensteins und in der Nähe von Waitzdorf an der Ochel statt.

Der andere Teil des Holzes wird durch geeignete Holzerntemaschienen (Harvester) gefällt und aufbereitet. Diese Maschinen haben nicht nur eine hohe Arbeitsproduktivität, sie sind bei richtigem Einsatz und qualifizierter Bedienung durchaus in der Lage, behutsam zu arbeiten. Solche Arbeiten finden im Januar und Februar am Elbleitenweg/ Rauschenstein, im Bereich Zwieselhütte südlich der Winterbergstraße, am Saupsdorfer Weg/ Teichstein und auf dem Steinberg statt.

Der Transport des Holzes vom Einschlagsort zur Forststraße, von wo es mit dem LKW abtransportiert werden kann, erfolgt auf Arbeitsgassen und vorhandenen Wegen, die manchmal auch Wanderwege sind. Der Mindestabstand der Arbeitsgassen beträgt im Nationalpark 40 Meter. Um den Boden zu schonen, werden die Arbeitsgassen mit einer möglichst dicken Reisigmatte abgepolstert. Für den Bodenschutz ist es entscheidend, dass die Maschinen die Arbeitsgassen und Wege nicht verlassen. Bei feuchter Witterung und Regen ist es dennoch unvermeidlich, dass z. T. erhebliche Wegeschäden durch Holzrückung auftreten. Die Nationalparkverwaltung lässt sie nach Abschluss der Arbeiten spätestens bis Ostern wieder beseitigen.

Auf kurzen Strecken kann schwaches Holz auch pfleglich mit Pferden gerückt werden. So lässt die Nationalparkverwaltung in dieser Saison rund 3500 m³ Holz mit Pferden vorliefern. Ähnlich schonend kann das Rücken des Holzes bis zur Arbeitsgasse mit Seilwinden an Traktoren erfolgen. Der weitere Transport des Holzes mit Forstspezialschleppern ist ohne Alternative. Bei sehr nasser Witterung wird der Holztransport in der Regel unterbrochen, wenn günstigere Bedingungen wie z.B. Frost zu erwarten sind. So hat im Revier Schmilka der zuständige Nationalparkrevierleiter vor den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel die Holzrückung am Elbleitenweg eingestellt, um den Wegezustand für Waldbesucher in dieser Zeit nicht zu beeinträchtigen.

Bild1 Schweres Gerät auf gefrorenem Boden: weniger Schäden. (Quelle: NPV)

Hier ein paar ergänzende Bemerkungen von NPV-Sprecher Hanspeter Mayr:

„Die Bereiche um die Ochel wurden im Dezember einer Waldpflegemaßnahme unterzogen. Wie bei allen diesen Maßnahmen im Nationalpark dienen solche Maßnahmen ausdrücklich nicht einer wirtschaftsbestimmten Nutzung sondern dem Ziel, eine größere Naturnähe in den aus früherer Zeit forstwirtschaftlich geprägten Wäldern zu erreichen. Im konkreten Fall wurden Lärchen als gebietsfremde Baumart sowie Fichten entnommen, um Weißtannen im Unterstand zu fördern. Das dabei anfallende Holz wird verwertet.

Tatsächlich lag der Ort der Waldpflegemaßnahme zwar innerhalb der Kernzone, aber nicht in der Naturzone A, in der wir grundsätzlich nicht mehr eingreifen. Der von Ihnen genannte Bereich gehört allerdings zu den Ausnahmen, wo aus Gründen der Arrondierung noch Flächen der Naturzone B (hier findet noch Waldpflege statt) in der Kernzone liegen. Solche Flächen gibt es nur im Vorderen Nationalparkteil und werden sukzessive weniger. Auch in die von Ihnen beobachtete Fläche werden wir künftig nicht mehr eingreifen.

Ich füge Ihnen für den Gesamtzusammenhang einen Artikel aus dem am 18.01. erscheinenden Landkreisboten bei, in dem wir die aktuellen Waldpflegemaßnahmen im Nationalpark und die Zonierung erläutern. Hier betonen wir, dass wir nicht mehr in die Kernzone eingreifen aber es gibt wie gesagt noch wenige Ausnahmen im vorderen Nationalparkteil.

Wo diese Ausnahmen liegen können Sie überblicksweise aus unserer Zonierungskarte im Internet entnehmen, die Sie unter folgendem Link finden:

http://www.nationalpark-saechsische-schweiz.de/scripts/viewimage.html?type=hr&width=1080&height=467&obj_id=18335

Die helleren Flächen unter der roten Schraffur sind noch Naturzone B, die grün unterlegten Flächen gehören zur Naturzone A.“

Und jetzt noch ein paar Bemerkungen von mir:

Zunächst mal: gut, dass sich die NPV zu diesem Thema endlich mal äußert. So ganz kann mich das Gesagte allerdings nicht befriedigen. Da ist zunächst die Unterscheidung zwischen “naturfernen” und “naturnahen” Bäumen. Ich hatte immer gedacht, jeder Baum ist irgendwie Natur. Zumal man sich ja hier die Frage stellen muss: wann war denn die Natur “ursprünglich”? Vor 100 Jahren? Vor 1000 Jahren? Oder noch länger her? Da wird willkürlich etwas definiert, was man aus meiner Sicht gar nicht definieren kann. Zum zweiten stört mich die Ansage, dass jene Maßnahmen “unaufschiebbar” seien. Wenn man von einer Dauer über mehrere Jahrzehnte für den Umbau des Waldes ausgeht, kommt es auf ein paar Monate mehr oder weniger auch nicht mehr an. Zum Dritten ist die Argumentation, es würden keinerlei wirtschaftliche Interessen verfolgt, ja schon dadurch merkwürdig, dass es ein paar Sätze weiter heißt, das Holz würde “verwertet”.

Schließlich habe ich mich aber vor allem an der Herumeierei mit “Kernzone”, “Naturzone A” und “Naturzone B” gestoßen. Letztlich bedeuten solche kaum noch nachzuvollziehenden Einteilungen, dass die NPV sich letztlich für so ziemlich alles eine Erlaubnis selbst erteilen kann, wenn sie nur besagte Zonen immer mal wieder ein wenig verschiebt.

17 Antworten auf “NPV zu Waldarbeiten und Harvestern”

  1. Konrad Bauckmeier sagt:

    Ich käme mir spätestens dann veräppelt vor, wenn der Einsatz der Walderntetechnik auf Wegen erfolgen würde, wo man legal nicht mal mehr Fahrrad fahren darf.

  2. Arndt Noack sagt:

    Konrad, das sind Wege, auf denen du mit dem Fahrrad ein Bußgeld riskieren würdest.Sieh dich vor!

  3. Ingo Geier sagt:

    Ich kann es überhaupt nicht nachvollziehen, wenn man in der Kernzone 50 Meter neben dem Weg unterwegs ist und einer Mutter mit zwei Mädchen der Nationalpark 73,50 € abnimmt, und gleichzeitig der Havester in der Kernzone seine Furchen zieht. Es können mehrere tausend Wanderer durch den Wald ziehen, bis sie die Spuren von einem Maschinentag eines Havesters erzeugt haben.

    Und das Rücken mit dem Pferde hört sich aber ganz anders an, wenn man mit dem Pferdebesitzer (Pferdehof Eschenbach) aus Hinterhermsdorf spricht:
    Innerhalb von wenigen Jahren ist die Arbeit mit Pferden im Wald vom Nationalpark auf ein Minimum reduziert worden. Die gleichen Arbeit führen jetzt Havester aus :-( .

    Schöne Grüße

    Ingo Geier

  4. Stiegenfreund sagt:

    Insbesondere in Bezug auf Kommentar Nummer 3 fällt mir nur noch Musik ein: http://www.youtube.com/watch?v=x922auBbBw4

    Interessant wäre jedenfalls auch mal, die Angabe von 3500 m³ mittels Pferd gerückten Holzes in ein Verhältnis zur Gesamtmenge zu setzen.

  5. Olaf O. sagt:

    Zu den Baumarten - die Unterscheidung in “naturfern” & “naturnah” ansich ist natürlich erstmal grober Unfug - die hier aufgezählten Baumarten Roteiche, Lärche und Weymouthskiefer kommen alle “natürlich” in der Natur vor.

    Hier stellt sich lediglich die Frage nach dem Ursprung/der Herkunft und damit eine Unterscheidung in “heimische” und “nicht heimische” Baumarten. Roteiche und Weymouthskiefer kommen ursprünglich aus Nordamerika und gehören damit definitiv NICHT zur einheimischen bzw. europäischen Pflanzenpopulation - sie sind sogen. Neophyten. Und den Zeitpunkt der Einwanderung vieler Neophyten kann man ebenfalls eingrenzen - ab der Entdeckung Amerikas 1492 - somit wird es vor Kolumbus Rundreise mit Sicherheit weder Roteiche noch Weymouthskiefer im Elbsandsteingebirge gegeben haben. Bei der Lärche trifft ähnliches zumindest auf die japanische Art zu…

    Von daher ist Ihre Aussage einer “willkürlichen Definition” schlichtweg falsch, lieber Autor. Nicht alles, was im NP getan und gelassen wird, ist grundsätzlich als verkehrt anzusehen.

  6. Arndt Noack sagt:

    Nun gut, lieber Olaf, da ist es also so, dass der eine oder ander Baum aus Nordamerika stammt. Und vor mehr als 500 Jahren nach Europa eingewandert ist. Wie weit also wollen wir die Zeit zurückdrehen? Oder: können wir das überhaupt? Hat sich in den letzten 500 Jahren nichts getan? Sind wir in der Lage, 500 Jahre Geschichte in 20 Jahren (so der Plan der NPV) ungeschehen zu machen? Und wie gesagt: vor 2000 Jahren sah es sicher noch ganz anders aus. Vielleicht will ja der eine oder andere die Zeitscheibe auch soweit zurückdrehen.

  7. Stiegenfreund sagt:

    Die Nationalparkverwaltung hat wohl was gegen Multikulti.
    (Dieser Beitrag enthält Satire, vor der Selbstzensur war es noch mehr.)

  8. Olaf O. sagt:

    @Arndt & Stiegenfreund

    Warum hab ich das eigentlich geschrieben, wenn Ihr beide offenbar im Angesicht Eurer sehr oft negativen Einstellungen zum Thema NP selbst wissenschaftlich begründete Fakten - die mal nicht nur auf die Sächsische Schweiz begrenzt und quasi in jedem besseren Lexikon zu finden sind - völlig verdreht. Damit disqualifiziert Ihr Euch doch nur selber (was ich persönlich schade finde, denn ich schätze diese größtenteils informative Wanderseite sehr. Nur wenn aus unwissender oder teils vorgeprägter Meinung hier über Sachen hergezogen wird, die ansich eine andere Betrachtungsweise verdienen, dann zweifel ich an der Kompetenz dieser Seite. Und nein - ich bin kein NP-Mitarbeiter, aber mir liegt mindestens genauso viel wie Euch an dieser Region…)

    Dabei geht es hier nicht mal um irgendwelche gesperrten Wanderwege, über die Ihr Euch sonst so gerne - zu Recht oder zu Unrecht - aufregt, sondern einfach um die Wiederherstellung der Natur in ihren annähernd(!) ursprünglichen Zustand. Und um eben das den Menschen zeigen zu können, die den NP besuchen - also eine annähernd ursprüngliche Natur, ist ja Sinn und Zweck des Ganzen. Und wenn Ihr mich nach meiner persönlichen Meinung fragt, dann ist die grobe Wiederherstellung eines “Urwaldes”, selbst auf kleinem Gebiet wie dem des NP, weitaus wertvoller für das Gesamtpaket Natur & Wandern, als der Erhalt oder die Sperrung ausgelatschter Wege.

    Kritisiert die Wanderwege-Tourismus-Problematik im NP dort, wo es berechtigt ist, aber vermeidet bitte, hier gleich einem Tunnelblick alles andere ebenfalls durch den Kakao zu ziehen… Stichwort Objektivität.

  9. Arndt Noack sagt:

    Lieber Olaf,
    ich weiß einfach nicht, wann, also zu welcher Zeit, eine Natur ursprünglich ist. Weil: dieselbe ist seit rund 10 000 Jahren einer ständigen Veränderung unterworfen, bei der sich eben auch Arten mischen und unterschiedlich ausbreiten. Sei es auf zufällige Weise, oder sei es, weil der Mensch da eingeriffen hat. Ich halte es einfach für schlicht unmöglich, aus einem sehr kleinen Gebiet (und das ist der Natoionalpark nun mal) eine Oase der Wildniss zu machen. Das ist Unfug und völlig neben den Realitäten.

  10. Olaf O. sagt:

    Letzter Hinweis von mir dazu:
    lies einfach mal hier http://www.nationalpark-saechsische-schweiz.de/scripts/presse/pressemitteilungen_uebersicht.php?id=156 oder hier http://fabianski.de/ssi/21/06.php.

    Und zu den von Dir vermuteten “wirtschaftlichen Interessen” hinter solchem geschlagenen Holz kann ich Dir auch sagen, daß teilweise mit “verwertet” u.a. die Sicherung bzw. Wiederherstellung von Treppenstufen und Geländern an den Wanderwegen gemeint ist…

    Hast Du schon mal gesehen, wie man durch vegetationstechnische Maßnahmen aus einem ehemals begradigten Fluss oder Bach wieder eine “Oase der Wildniss” binnen kürzester Zeit (1-2 Jahre) herstellen kann und welchen ökologischen Mehrwert für Flora und Fauna sowas haben kann? Man nennt sowas in der Landschaftspflege auch “Renaturierung”. Nichts anderes - nur auf den Wald und seine Zusammensetzung bezogen - wird im NP versucht…

  11. Karsten Krasselt sagt:

    Ich glaube, die Diskussion geht etwas aneinander vorbei. Olaf sollte mal präzisieren, welchen “Urzustand” er sich vorstellt für den Nationalpark. Das einige Neophyten eingewandert sind, ist unbestreitbar - aber ist auch der allseits verbreitete Fingerhut als “Unkraut” zu werten? Oder der Schwarzstorch? (siehe Artikel des Links Nr. 2) Und weiterhin ist es schwierig bis aussichtslos, solche Spezies wieder komplett zu vertreiben. Bei der Weymouthskiefer könnte das vielleicht klappen, aber was ist mit den erwähnten “Blumen” in den Flussauen? Und wie sollen die Spanischen Nacktschnecken (die brauenen) wieder vertrieben werden?
    Genug dazu.
    Andererseits geht es um die Frage, WIE im Nationalpark gearbeitet wird. Und Harvester hinterlassen keinen schönen Wald, habe ich vor etwa einem Jahr an vielen Stellen im und außerhalb des NP sehen können. Gummistiefel wären dort die geeignete Fußbekleidung für den Wanderer gewesen … Da wird immer mit dem Kostenargument alles totgeschlagen, aber die Folgekosten für die Schädigung des Waldbodens gehen da nie mit ein.

    So, das soll erstmal genügen ;-)
    Karsten

  12. Olaf O. sagt:

    @Karsten
    Nein Karsten, ich glaube, ich hab hier bisher sehr genau präzisiert und jeder, der sich mit diesem Thema intensiv auseinandersetzt, findet eh genügend Literatur dazu.

    Mir ging es lediglich um die pauschalisierende Aussagen & mehr oder weniger negativen Kritiken zu Tätigkeiten in und um den Nationalpark, die das ganze in ein meiner Meinung nach total falsches Licht rücken (siehe seitens des Autors… “Da wird willkürlich etwas definiert, was man aus meiner Sicht gar nicht definieren kann.”-> habe ich bereits versucht zu präzisieren, warum, wieso, weshalb… es gibt sehr wohl forstwirtschaftliche Berichte, in denen per Jahreszahl(!!!) aufgezeigt wird, wie und wo welche neue Baumart im Forstbereich XY eingebracht oder gefunden wurde).

    Nur weil ein Mensch vor (angenommen) 100 Jahren in die Natur eingegriffen hat und wir alle mit dieser Veränderung, anscheinend problemlos, aufgewachsen sind, heißt doch noch lange nicht, daß dieser Zustand - ökologisch gesehen - gut ist bzw. nicht besser gemacht werden kann oder sogar muss!

    Anderes Beispiel wäre der vor vielen Jahren durch den Menschen ausgerottete Lachs in der Elbe bzw. ihren Nebenflüssen in der Sächsischen Schweiz - eine Veränderung in der Natur, die uns, die vielleicht an der Elbe leben, kaum gestört haben dürfte (bis auf die “paar” arbeitslos gewordenen Fischer Anfang des 20 Jahrhunderts vielleicht). Uns würde es jetzt, wo der Lachs wieder eingebürgert wird, vermutlich kaum anders gehen, wenn er noch immer ausgerottet wäre eine Fischart mehr oder weniger - was macht das schon. Aber was ist für das Ökosystem der Gewässer nun besser - mit oder ohne Lachs - die Frage kann sich jeder selber beantworten, der wenigstens ein bißchen Ahnung hat…

    Das Gleiche gilt für die oben genannten Baumarten, die nur aus forstwirtschaftlichen Zwecken durch Menschen vor einigen Jahrzehnten hier eingebürgert worden sind (und sich dann selbständig ausgebreitet haben) - natürlich gibts da viele Beispiele, bei Tieren wie bei Pflanzen. Das Problem ist eben dann vorhanden, wenn eben diese Neophyten dafür sorgen, daß die sonst ursprünglichen Arten der Natur verdrängt werden. Das muss wissenschaftlich untersucht werden und wenn, wie im Fall der Weymouthskiefer, bewiesen ist, daß sie viele andere Arten verdrängt (also 1 Art nimmt den Platz ein, wo sonst 5 Arten zu finden wären) - dann raus mit ihr. Sicher - bei vielen anderen eingebrachten Arten ist es zu spät oder nicht reparabel - aber deswegen ist es noch lange nicht als “normal” anzusehen.

    Es ist wie gesagt der VERSUCH, Fehler der Vergangenheit wieder zu berichtigen. Und gerade hier, in einem kleinen Gebiet wie unserem Nationalpark, ist dies viel besser durchführbar, weil es übersichtlicher ist und viele Pflanzen (und Tiere) viel besser untersucht werden konnten und können (das nennt man übrigens Monitoring).
    Und natürlich ist es eine Utopie, den “Urzustand” herzustellen - aber es ist absolut kein
    “Unfug und völlig neben den Realitäten” (siehe Autor), es besser machen zu wollen…

    Nochmal - ich habe den Eindruck, daß hier viel zu oft und zu gern gegen den Nationalpark geschossen wird und in diesem Zuge alles Auffindbare in einen Topf geworfen wird, egal, ob es nun um Tourismus (Wandern) oder Naturschutz (Neophyten) geht - Wanderwege sperren -> großer Mist = Weymouthskiefer fällen -> genauso großer Mist = was, auch noch mit dem Harvester?! Absolute Frechheit! = Nationalpark -> der größte Mist überhaupt…oder???

    Warum gehen wir denn Wandern - um auch mal geschützte/seltene Pflanzen und Tiere am Wegesrand zu beobachten oder um Beweisfotos zu machen, wie (angeblich) schlecht und ohne Ahnung die da im Nationalpark arbeiten? Diese Herangehensweise finde ich völlig inakzeptabel, weil hier eindeutig nicht mehr differenziert wird.

  13. Stiegenbuchverlag sagt:

    Nun auch noch mein “Senf” zu der ganzen Problematik
    Erst einmal verstehe ich die Einteilung der verschiedenen NP-Flächen nur sehr schwer, obwohl mir Dr. Butter und Andreas Knaak diese Einteilung persönlich erklärt haben. Letztendlich war ich verwirrter als zuvor. Nun gut, dass nur nebenbei. Ein weiterer Faktor ist die scheinheilige Behauptung, die “Holzernte” als Waldumbau hinzustellen und gleichfalls zu behaupten das dies nicht komerziellen Hintergrund hat. Diese Problematik habe ich hier in Halle direkt vor meiner Haustür. Da wird ein gerademal 700ha großer Stadtwald Harvestergerecht zerlegt. Mein Sohn sagte mir “Vati, wenn das so weitergeht, dann ist keinen Wald mehr da, wenn ich groß bin” (im übrigen ist mein Sohn 9 Jahre alt) Nun aber zur Sache mit den angeblich nicht heimischen Bäumen. Als Landschaftgärtner sehe ich die Sache so; ALLE Bäume haben ein recht zu wachsen, egal wo und in welcher Zahl. Irgendwann werden wir froh sein, dass überhaupt noch Bäume wachsen.

  14. Olaf O. sagt:

    Eine herrliche Diskussion hier - @Arndt: wenn es hier zu weit geht, dann bitte kurz ein Info reinstellen oder das Kommentieren für diesen Artikel sperren, ok? Ist schliesslich Deine Homepage…

    @Stiegenbuchverlag - über diese Aussage eines Fachmanns kann ich nur mit dem Kopf schütteln “ALLE Bäume haben ein recht zu wachsen, egal wo und in welcher Zahl.” Das ist mir viel zu kurz gedacht… Ich stelle Dir mal eine (Fach-)Frage dazu, wobei ich davon ausgehe, daß Du statt “Bäume” auch “Pflanzen” hättest schreiben können…

    Wenn es egal ist, wo und in welcher Zahl eine Pflanze auftritt, dann ist es bestimmt auch gut, wenn meinetwegen bei Dir in Halle in irgendeinem Stadtpark ein Spielplatz ist oder gebaut wird (und den vielleicht mal Dein 9jähriger Sohn zum Spielen nutzt), an dessen Rand ganz viele Gehölze stehen/gepflanzt werden… z.B. Liguster, Eibe, Pfaffenhütchen… alles Pflanzen, die fast in jedem Park zu finden sind - nochmal - ist es wirklich egal, WO welche Pflanze vorkommen darf? Oder würdest Du - als ausgewiesen Landschaftsgärtner - diese Pflanzen an DIESEM ORT empfehlen? Deiner Aussage nach ist es ja egal…ich bin gespannt…

  15. Arndt Noack sagt:

    @Olaf O.: Nein, es geht nicht zu weit. Man sollte alles ausdiskutieren, auch, wenn wie hier, die Meinungen sehr weit auseinander gehen. Das ist schließlich der Sinn eines solchen Blogs.

  16. Stiegenbuchverlag sagt:

    Um klar zu stellen, ich bezog mich ausschließlich auf Bäume. Knöterich, Herkulesstaude oder drüsiges Springkraut haben nicht in freier Natur zu suchen.
    Ich persönlich (auch wenn die Bauvorschriften etwas anderes vorsehen) bin der Meinung, dass die von Dir erwähnten Pflanzen (Taxus ist aber ein Baum) auch an einem Spielplatz gepflanzt werden sollten. Wir können unsere Kinder nur dadurch vor GIFTPFLANZEN ! schützen, indem wir ihnen den Umgang ermöglichen. Mein Sohn wußte schon, bevor er laufen konnte, dass man gewisse Früchte und Beeren nicht in den Mund zu nehmen hat.
    Nun noch einmal zu den Bäumen. Was bliebe den von unseren Wäldern übrig, wenn wir alle nicht “heimischen” Bäume verteufeln. Nicht mehr viel, denn neben der Lärche würde das auch die Roteiche, die Kastanie, einige Ahornarten und sogar die Birke betreffen, auch wenn die “Einwanderungszeiten” schon lange zurück liegen.

  17. Stiegenfreund sagt:

    Um hier noch was zur Sache zu sagen: Ich finde es prinzipiell richtig, wenn (insbesondere die aggressiven) Neophyten bekämpft werden. Was als Neophyt definiert wird und ob die Bekämpfung überhaupt Erfolg verspricht, sind andere Fragen, die man durchaus diskutieren kann und bei denen es sicher unterschiedliche Meinungen geben wird, bis hin zu geteilter Meinung über die Grundfrage als solches.

    Was den Verkauf des geschlagenen Holzes angeht, an dem auch leichte Kritik anklang, nun, was soll sonst damit gemacht werden? Das halte ich für ok, genauso die Verwendung zum Unterhalt der Kunstbauten im Gebirge (wurden früher nicht alte Eisenbahnschwellen genommen? Ich glaube, die haben auch länger gehalten, und geschadet hat es auch nicht…).

    Wenn nun ausnahmsweise der Nationalpark einmal was macht, was auch ich für richtig halte, muss ich, bei dem langen Sündenregister desselben wie zum Beispiel umgehauene Buchen, abgerissene Waldhütten, Bußgeldkatalog für harmlose Wanderer etc etc., noch lange nicht zum Fan der NPV mutieren.

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